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"Der Weltverband bricht dauernd seine eigenen Regeln"

Interview mit dem Schach-Weltranglistenersten Viswanathan Anand
Inder peilt zehnten Sieg bei Chess Classic Mainz an

Text und Fotos von FM Hartmut Metz, August 2007

 

   Zwei große Ziele hat sich Viswanathan Anand für den Spätsommer gesteckt: Erst will der Weltranglistenerste aus Indien diese Woche zum zehnten Mal im "Wimbledon des Schnellschachs" triumphieren. Nach den Chess Classic Mainz folgt im September die WM in Mexiko City, bei der Anand zum ersten Mal alleiniger und unumstrittener Weltmeister werden möchte. Mit dem 37-jährigen Spitzenspieler des deutschen Meisters OSC Baden-Baden unterhielt sich Hartmut Metz.

 

Anand - Aronian

Nach einem 2:2 unterlag Viswanathan Anand (rechts) bei der FiNet Chess960-WM
in der Endspiel-Verlängerung gegen Lewon Aronjan mit 0,5:1,5.

 

Frage: Droht Ihnen nach sieben Siegen in Folge in Mainz die Ablösung durch Lewon Aronjan? Der in Berlin lebende Armenier schlug zuletzt selbst Weltmeister Wladimir Kramnik mit 4:2 im Schnellschach.

Anand: Aronjan ist natürlich sehr stark. Aus gutem Grund hat er sich auch für die WM in Mexiko qualifiziert. Ex-Weltmeister Rustam Kasimdschanow halte ich im Schnellschach ebenfalls für gefährlich. Den Franzosen Etienne Bacrot muss ich vor allem im Chess960 beachten. Es dürfte daher harte wie interessante Turniere geben.

Frage: Mit 37 Jahren sind Sie zusammen mit dem Israeli Boris Gelfand der älteste Spieler bei der WM in Mexiko. Ist das Ihre letzte Chance auf den Titel?

Anand: Mit derlei Gedankengut möchte ich mich nicht selbst unter Druck setzen. Mexiko bietet mir eine günstige Gelegenheit auf den Titel. Ich mag das Land, vom Lebensstil erinnert es mich an Indien. Ich freue mich auf die WM. Das Alter spielt keine zu große Rolle.

Frage: Wen haben Sie noch mit auf der Rechnung im Kampf um den Titel? Weltmeister Kramnik überzeugte zuletzt wieder und rückte in der Weltrangliste auf Platz zwei vor.

Anand: Bei solch einem starken Turnier kann man sich nicht auf einen Gegner konzentrieren. Keiner wird dominieren. Wladimir halte ich für leicht favorisiert.

Frage: Rechnen Sie mit einer erneut schmutzigen WM? Bei der WM-Vereinigung gegen Kramnik sorgte Wesselin Topalow mit der Toiletten-Affäre für Aufsehen. Davor hielten sich lange Gerüchte, der Bulgare hätte bei seinem WM-Sieg in Argentinien mit Computer-Hilfe betrogen.

Anand: Es ist schwierig, Beweise auf den Tisch zu legen. Prinzipiell begrüße ich alle Maßnahmen wie verzögerte Internet-Übertragungen der Partien, die Betrug erschweren. Der Mehrzahl meiner Kollegen vertraue ich.

Frage: Halten Sie es für richtig, dass Topalow als Verlierer der WM-Titelvereinigung nicht mitspielen darf?

Anand: Man kann nicht für jeden Ausnahmeregelungen machen. Außerdem: Kramnik und Topalow erhalten zweite Chancen auf den Titel, weshalb die Regularien für sie keineswegs nachteilig ausfallen.

Frage: Klingt das nicht unfair gegenüber den anderen WM-Qualifikanten? Kramnik bekommt einen weiteren WM-Zweikampf, sollte er in Mexiko nicht gewinnen - und danach greifen Topalow und der Weltcup-Sieger in Zweikämpfen ein.

Anand: Das ist natürlich unfair. Ich habe es aber aufgegeben, mich über den Schach-Weltverband FIDE aufzuregen. Die machen das immer so. Es wäre schön, wenn sie mal nicht ständig ihre eigenen Regeln über den Haufen werfen würden. Irgendwann ist man dessen überdrüssig und beschließt, nur noch Schach zu spielen. Genau so halte ich es jetzt.

Frage: Sie sind als Brahmane eine friedliebende Natur. Gerät Ihnen das zum Nachteil, weil im Gegensatz dazu Manager wie Silvio Danailow Terror machen und er so einiges für seinen Schützling Topalow herausschlägt?

Anand: Mag sein. Ich hab' mich eben damit abgefunden, dass die FIDE andauernd ihre Regeln ändert und bricht. Dann bekommt eben Kramnik sein Match, danach erhält Topalow seines Ich schaue nach vorne, auf Mexiko. Es macht keinen Sinn, gegen das Unmögliche anzukämpfen. Der Weltverband macht ohnehin, was er will.

Anand - Aronian

Vor dem Duell um Platz drei spielte sich Etienne Bacrot im FiNet Chess960-Open warm.
Dadurch kam er wieder in Form und schlug Rustam Kasimdschanow mit 3:1.


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